Samstag, 19. November 2011

die dritte woche...

so, hier gibts jetzt auch endlich mal bilder von unserer wohnung! zum teil wirkt es immer noch ein wenig karg, aber schon viel besser als am anfang und bis es so aussieht, wie wir wollen, vergehen bestimmt noch ein paar wochen :).

bitte hier entlang zu den fotos


diese woche donnerstag und freitag hatten barbara und ich gemeinsam mit einigen anderen seven hills mitarbeitern ein sogenanntes CPI-training. dies ist ein "nonviolent crisis intervention" training, bedeutet also, hier werden maßnahmen zur krisenintervention vermittelt. die krise ist in unserem fall das ausrastende kind, was um sich schlägt, spuckt, kratzt und beisst. ob ich mich jetzt wirklich sicherer fühle, wenn eines unserer kinder völlig eskaliert (und das kommt erschreckend oft vor), bleibt fraglich. zumindest kenne ich jetzt theoretische maßnahmen, wie ich schläge und tritte abwehre sowie mich aus beiss- und haarezieh-attacken befreie, ohne das kind zu gefährden oder zu verletzen. leider haben unsere kinder einen solchen kurs nicht besucht und greifen daher nicht immer so an, wie man es gerne hätte, bzw. wie die maßnahmen optimal anzuwenden wären, aber wie gesagt, zumindest haben wir jetzt das theoretische wissen.

um nochmal auf unsere kids zurückzukommen (ich hatte das ja beim letzten mal recht kurz gehalten). wir haben kinder mir wirklich schwerwiegenden problemen. sie sind nicht nur autistisch, sondern leiden unter spätfolgen mütterlichen drogenkonsums oder schwerem sexuellen missbrauch, unter zwangsstörungen, down-syndrom, panikattacken, emotionalen störungen. viele dinge auf einmal führen dann eben schnell zur eskalation. mir tun die kinder leid, denn viele leben nicht mehr bei ihren eltern, da diesen entweder das sorgerecht entzogen wurde oder sie sie freiwillig weggegeben haben, da sie nicht mit ihnen zurechtgekommen sind. die meisten haben eine lange leidensgeschichte hinter sich. besonders die emotionalen störungen sind auffällig, d.h. viele kinder können ihre emotionen, sei es wut, trauer, oder auch freude in keinster weise adäquat ausdrücken. daher kann sich freude oder überschüssige energie auch mal in spucken oder in werfen von gegenständen äußern. der fliegende gegenstand war letzte woche übrigens ein matchbox-auto und mein gesicht war leider im weg - aua. in solchen momenten möchte man dann doch her davonlaufen als weitermachen. und was mich im moment noch wahnsinnig macht, ist die oft fehlende struktur in der schule selbst, in meinen augen könnten die kinder noch viel besser beschäftigt und gefördert werden. aber wir sind personell ständig unterbesetzt und daher mehr damit beschäftigt, den kindern hinterherzulaufen als alles andere. die sagen auch nicht, wenn sie raus möchten - sie gehen einfach. weil die meisten wie gesagt nicht sprechen können. und wenn ein 12-jähriger junge wirklich unbedingt aus der tür rausmöchte, dann versuch ihn mal davon abzuhalten, wenn er sich mir allen kräften dagegen wehrt. das ist ja noch ein weiteres problem: die kinder sind echt stark. und wenn man denselben 12-jährigen autistischen jungen davon abhalten will, seinen kopf auf den boden zu schlagen, weil ihm irgendetwas nicht passt und er sich mit bissen und schlägen dagegen zu wehren versucht, wird daraus ganz schnell ein kraftakt, den man alleine nicht bewältigen kann. viele kinder bei uns sind leider aufgrund ihrer vielen verschiedenen behinderungen geistig auf einem so niedrigen level, dass jegliche kommunikation in solchen momenten unmöglich ist. was noch dazu kommt, die meisten kinder haben nicht nur kein gefühl für ihre eigenen emotionen, sondern auch nicht für die der anderen kindern. wenn sie ein anderes kind schlagen (und das tun sie oft aus frustration), dann so fest sie können und ohne rücksicht auf verluste. und auch die reaktionen ihres verhaltens (weinen, schreien des anderen kidnes) können sie kaum oder nicht einordnen oder werten.

es gibt natürlich auch schöne momente, keine frage. die kinder sind oft sehr dankbar, wenn man sich mit ihnen beschäftigt und drücken ihre freude in ganz unterschiedlicher weise aus. und wenn es nur ein handhalten ist oder sie einen morgens in den arm nehmen, wenn man sie vom schulbus abholt. oder wenn sie versuchen mit einem zu kommunizieren und auszudrücken was sie möchten - und wenn es dann auch klappt! wenn man denkt, sie sind geistig völlig woanders und dann setzen sie schneller als man schauen kann ein kompliziertes puzzle zusammen. oder sie ordnen das komplette alphabet in groß- und kleinbuchstaben ohne fehler und richtig schnell einander zu, wo man vorher dachte, dieses kind kann schon mit einem einzelnen buchstaben kaum was anfangen. außerdem lerne ich eine ganze menge englische gebärdensprache hier, denn viele nicht sprechende kinder nutzen sie, um sich auszudrücken. ein paar elementare dinge wie die wochentage, bitte, danke, ich will dies und das, hunger, "aua", toilette, spazierengehen, auf der schaukel anschubsen, kann ich schon :).

man sieht also - es bleibt spannend. ich bin gespannt, wie ich in ein paar wochen mit den kindern zurechtkommen werde. ob ich mich überfordert fühle oder ob ich mich gut einfinde. ich halte euch auf dem laufenden.

dies war übrigens einer der friedlichen momente bei uns auf dem spielplatz:















der junge im roten oberteil war der matchbox-auto-werfer, der vordere junge auf der schaukel trägt einen schutz, da er sich eine zeitlang übelst selbst ins gesicht geschlagen hat (das tut er jetzt nicht mehr, aber er will den helm auch nicht absetzen), und der hintere junge auf der schaukel ist mein lieblings-autimus-kind, weil er immer versucht, an meinen haaren zu riechen :).

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